23.Februar 2010: Der Fetzenrausch der Frau Käßmann (Update 2)

Die Frau Käßmann hat ein Glaubwürdigkeitsproblem, höre ich.

Gegen den Afghanistankrieg sein und besoffen Auto fahren, das passt nämlich nicht zusammen, heisst es.

Wir haben einen Finanzminister, der in den größten Parteienfinanzierungsskandal der Nachkriegsgeschichte verwickelt gewesen ist, ein weitverzweigtes Netz von Schwarzgeldkonten angelegt und 100.000 Mark in cash von einem Waffenhändler kassiert hat und davon hinterher nichts mehr wusste.

Ein Glaubwürdigkeitsproblem allerdings hat die EKD-Vorsitzende Margot Käßmann. Sie fährt nämlich betrunken Auto und ist gleichzeitig gegen einen völkerrechtswidrigen Krieg.

Wir haben einen Außenminister und Vizekanzler, dessen Partei sich von einem Hotelkettenbesitzer mit Millionenbeträgen schmieren lässt, um hinterher den Hotels die Steuern zu senken. Der Ministerpräsident des bevölkerungsstärksten Bundeslandes lässt sich derweil von Konzern-Lobbyisten stundenweise für vertrauliche Gespräche mieten wie ein politischer Callboy.

Wie aber soll man einer Frau, die mit 1,56 Promille über rote Ampeln fährt, glauben, dass sie aus guten Gründen gegen den Afghanistan-Krieg ist?

Wir haben eine Bundeswehr, in deren Kasernen im Vollrausch junge Rekruten misshandelt werden. Wir führen seit acht Jahren einen sinnlosen, völkerrechtswidrigen Krieg in einem weit entfernten Land. Wir haben einen Bundesverteidungsminister, der einen Luftangriff mit mehr als 100 toten Zivilisten für angemessen erklärt und eine Bundesregierung, die das Ausmaß des Massakers monatelang vertuscht hat.

Und da leisten wir uns eine EKD-Vorsitzende mit solch einem gigantischen Glaubwürdigkeitsproblem?

Es ist schon wirklich großartig, mit welchem Hurra jetzt die Wogen der moralischen Entrüstung über Margot Käßmann zusammenschlagen. Nur gut, dass wir keine anderen Sorgen haben als eine Landesbischöfin, die besoffen Auto fährt und ansonsten ganz einfach recht hat…

Margot Käßmann hat also offensichtlich einen Fetzenrausch gehabt.
Mir wird die Frau immer sympathischer, muss ich gestehen!

Euer Konstantin

PS: (24. Februar) Der EKD-Rat spricht Margot Käßmann das ungeteilte Vertrauen aus. http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/politik/938/504154/text/ Damit ist der moralinsaure Mäuseaufstand wohl schon wieder beendet. Immerhin ist Frau Käßmann ja auch nicht ADAC-Vorsitzende...

Update 2: Zefix! Jetzt ist Frau Käßmann zurückgetreten, obwohl sie das nicht tun hätte müssen und das Vertrauen des EKD ausgesprochen bekommen hatte. Ich muss sagen, ich bin geschockt über diesen Schritt und finde es jammerschade - aber es beeindruckt mich auch, mit welcher Kraft sie für ihren Fehler gerade steht. Wenn ich bedenke, welche Skandale andere Leute veranstalten, ohne dafür die entfernteste persönliche Verantwortung zu übernehmen, ringt mir die Entscheidung Margot Käßmanns größten Respekt ab. Rüttgers macht es zum Beispiel anders: der opfert einen Hiwi und bleibt selber an der Macht kleben... Trotzdem: das ist eine wirklich schlechte Nachricht! Denn Leute wie Margot Käßmann brauchen wir dringend!




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