29. Juni: Warum ich Weltnetz.TV unterstütze

Liebe Freunde!
Ich muss gestehen, dass mein Mitteilungsbedürfnis nach dem Tod meines Managers Manfred sehr eingeschränkt gewesen ist. Dazu kamen Dreharbeiten und die Tour mit Hannes - und so ging ich innerlich wie äußerlich schwer beschäftigt in diesen Sommeranfang.
Hinweisen möchte ich Euch aber heute auf ein neues Projekt namens Weltnetz.TV. Es handelt sich um einen Internet-Sender, der unterdrückte Nachrichten öffentlich machen, mediale Hetzkampagnen entlarven und kritische Ansätze und Widerstand publik machen möchte.
Wie Ihr Euch denken könnt, haben die Initiatoren von Weltnetz.TV mit diesem Ansatz bei mir offene Türen eingerannt, zumal mit Albrecht Müller, Diether Dehm, Daniela Dahn, Florian Kirner und Andrea Ypsilanti einige mir sehr sympathische und wichtige Menschen mit von der Partie sind. Und die hermetische Kontrolle einiger Medienkonzerne über den globalen Informationsaustausch muss ja auch endlich einmal ein Ende haben.
Aber lest selbst, was Weltnetz.TV vorhat und sein will.
bis bald
Euer Konstantin
 
 
Weltnetz-TV - Was wir wollen
 
Auch ein langer Marsch beginnt mit einem ersten Schritt.
Chinesisches Sprichwort 

Eine andere Welt wird nur möglich sein, wenn wir andere Medien haben. 
Die derzeitigen Massenmedien, insbesondere die großen privaten Fernsehsender, sind eine Propagandamaschine des Neoliberalismus, ein Entpolitisierungsapparat durch billige Unterhaltung, eine Kolonialisierung der Vernunft.
 
Die meisten Menschen bilden sich aber ihre Meinung durch Fernsehen. In der Schlacht um das öffentliche Weltbild hat es mehr Macht als Armeen. Deshalb gehen immer mehr private Interessengruppen, mehr oder weniger verquickt mit Regierungen, dazu über, sich ihren eigenen Sender zu installieren. Sechs große Medienkonzerne beherrschen den Weltmarkt der bewegten Bilder. Der größte von ihnen ist Time Warner. Dieser Konzern besitzt Film- und Musikproduktionen, Verlage, und – das Wichtigste – CNN.

Wenn es nicht gelingt, die mediale Hegemonie des Neoliberalismus und Neomilitarismus zu brechen, werden diese Kräfte ihren vermeintlichen Siegeszug ungehindert weitertreiben
Die globalternative Bewegung braucht die Macht, ihre eigenen Themen auf die TV-Agenda zu setzen. Denn: Was nicht auf dem Sender ist, ist nicht. Die Idee, oder sagen wir der Traum, dass die Bewegung ihren eigenen, globalen Fernsehsender haben wird, klingt sehr utopisch. Aber bekanntlich muss man das Unmögliche fordern, um das Mögliche zu erreichen.
 


8. Juni: Nachruf auf einen lieben Freund



Lieber Manfred,

jetzt ist das eingetreten, was Du mir schon mehrmals lachend prophezeit hast.
Du hast dich ohne großes Theater verabschiedet. Still und ohne jemandem zur Last zu fallen. Dass dein Tod nun doch etwas Aufsehen erregt hat, hätte Dich auch nicht gestört. Du kennst das Geschäft - und die Medien.
Für mich so unbegreiflich und besonders erschütternd ist jedoch, dass es Dir in letzter Zeit wieder so richtig gut ging. Du hast dich darauf gefreut, wieder mit uns auf Tour zu gehen, Du warst prächtig gelaunt und wir alle dachten, dass jetzt noch richtig entspannte und schöne Jahre auf dich zukommen würden.

Ach Manfred, alter Freund, Genosse, Weggefährte, Leidensgefährte - was haben wir nicht alles zusammen durchgemacht!
Wir konnten uns richtig streiten und du warst manchmal ein richtiger „Stinkstiefel“. Aber das gleiche würdest Du – vollkommen zu Recht - auch von mir behaupten. Und das hast Du mir auch oft gesagt.
Deine Offenheit war sowieso Dein Markenzeichen, manchmal ging sie zwar bis an die Schmerzgrenze, aber meistens traf sie genau den Punkt und so steckte eigentlich viel vom Willy in Dir. Vor allem, wenn es gegen Nazis ging.
Deine politische Klarheit werde ich sehr vermissen. Du warst einer der letzten radikalen Linken, mit bestechendem Wissen ausgestattet und scharfzüngig in der Diskussion.
Und immer humorvoll und nie ohne Augenzwinkern.
Deine Computerkennwörter zeugen davon:
Rosa, Mao, Lenin, Marx ...

Ach Manfred, je mehr ich schreibe, umso mehr fällt mir auf, wie sehr ich Dich mag und wie schwer das wird, Dich nicht mehr anrufen zu können, mit Dir zu deinem Lieblingsitaliener zu gehen. Mit dir zu blödeln und von Dir abgeschottet zu werden gegen unseriöse Angebote und Anfragen. Du hast nie versucht „Deinen Künstler“ zu verheizen. Dafür war Dir das Geld nicht wichtig genug und die Kunst zu wertvoll.
In diesen Punkten brauchten wir gar nicht zu diskutieren - da verstanden wir uns ohne Worte.
Und noch etwas, und das sollen auch alle wissen: in einer für mich sehr schweren Zeit hast Du mir ehrlich und loyal zur Seite gestanden. Und so bist Du geblieben, mein Freund.
Auf Dich war Verlass.
Wir vermissen Dich sehr.
Noch ein letztes Mal werde ich Dir Dein Lieblingslied spielen, das ich Dir vor über zwanzig Jahren gewidmet habe.

Dein Konstantin

Endlich bist du wieder unten,
wieder mitten im Geschehn.
Hast dich plötzlich losgebunden,
um als Mensch zu überstehn.

Wieder barfuß auf dem Boden,
wieder dort, wo uns die Welt,
losgelöst von Muß und Moden,
ansatzweis zusammenhält.

Und jetzt liegt da dieser Zettel
zwischen deinen Wertpapiern:
Heute nehm ich mir das Leben,
um es nie mehr zu verliern.

Kann auch ohne eure Titel
und Verträge überstehn.
Hab die Schnauze voll von Zielen,
will mich erst mal suchen gehn.

Nur die sich mißtrauen,
brauchen Normen zum Sein
und verteilen als Schuld,
was sie sich nicht verzeihn.

Doch wie immer sie dich
auch schuldig schrein,
nur du hast das Recht,
dein Richter zu sein.

Endlich stehst du zu den Bieren,
die man nur im Stehen trinkt,
siehst, wie glücklich ein Verlierer
ohne Kampf nach oben sinkt.

Suchst dir fünf Uhr früh am Bahnhof
einen Freund für einen Tag.
Ganz egal, was er dir gibt,
wenn er sich selbst nur etwas mag.

Und dann rinnt dir, weil du zitterst,
ein Glas Wein übers Gesicht,
fällst vom Stuhl und blickst nach oben
und entdeckst ein Stückchen Licht.

Dir verschwimmen Hirn und Sinne,
schwankst aufs Klo, schließt nicht mal zu,
überläßt dich deinem Dasein
und bist endlich wieder du.

Nur die sich mißtrauen,
brauchen Normen zum Sein
und verteilen als Schuld,
was sie sich nicht verzeihn.

Doch wie immer sie dich
auch schuldig schrein,
nur du hast das Recht,
dein Richter zu sein.

Anmerkung Team Wecker: Manfred Berkard war zuerst Tourneeleiter und seit 14 Jahren persönlicher Konzertmanager von Konstantin Wecker.


1. Mai: Drum werd ich jetzt Grieche, Willy!

Liebe Freunde!

Wir haben uns heute durch den Regen im Ludwigshafener Ebertpark beim Konzert nach der Maiveranstaltung des DGB nicht entmutigen lassen, meine Freunde Jo Barnikel und Severin Trogbacher, unser Publikum und ich, und es war mir ganz wichtig, bei diesem Konzert erstmals von einem neuerlichen Besuch am Grab meines Freundes Willy zu berichten.

Euer Konstantin

WILLY MAI 2010

Mei Willy. Du weißt es ja eh schon. Immer wenn ich richtig wütend bin, kumm i wieder zu dir und hol mir deinen Rat. Und i bin wieder mal stocksauer, denn was da zur Zeit mit unseren Freunden den Griechen getrieben wird spottet jeder Beschreibung.
Wieder mal schafft es eine Clique superreicher Soziopathen, ihre Gewinne auf Kosten derer zu vermehren, denen sie diese Gewinne überhaupt erst verdanken.

Lohnabhängige, kleine Gewerbetreibende, Bezieher von Renten und Transferleistungen – in Geiselhaft genommen für die Machenschaften der Kapitalfunktionäre und Regierenden.
Und uns wird das so verkauft, als wäre die einzige Möglichkeit, den Euro zu retten, wenn man uns das Wenige aus der Tasche zieht, das sie uns noch gelassen haben.

Und jetzt kommen all diese angepassten Volks- und Betriebswirtschaftler und erzählen immer denselben verlogenen Blödsinn, anstatt endlich mal das auszusprechen, was schon lange fällig ist: Nehmt es den Reichen, bevor sie sich an jeder Krise weiter bereichern und hört auf, uns zu verarschen.

Den Auftakt für die stärker werdenden Turbulenzen an den Finanzmärkten bilden stets die Ratings der namhaften Agenturen am internationalen Kapitalmarkt. "Standard and Poors" hat diesmal gleich doppelt zugeschlagen. Erst wurden griechische Staatsanleihen auf Junk-Bond-Niveau (BB+) herabgestuft und dann die portugiesischen gleich um zwei Stufen runter von A+ auf A-

Das hatte zur Folge, dass die Kapitalmärkte heute verrückt spielen.

Abgesehen davon, dass man sich fragt, woher die Ratingagenturen ihre Informationen beziehen, müssten uns die Folgen dieser Herabstufungen endgültig wachrütteln.

Wer sind wir eigentlich, dass wir uns von diesen Kaspern am Nasenring durch die Arena ziehen lassen?

Wer glaubt denn noch an die Unabhängigkeit solcher Informationen? Das ist doch nichts anderes als gezieltes Kristallkugellesen.

Das Selbstbewusstsein der Spekulanten ist schon wieder groß. Sie machen die Vorgaben, und die Politik wird zum Handeln gezwungen.

Die Deutsche Bank meldete neulich das beste Quartalsergebnis aller Zeiten und erreichte vor allem durch ihre Investmentabteilungen eine Eigenkapitalrendite von 30%. Ackermann hat sein Ziel von 25% Rendite bei weitem übertroffen.

Mach dich doch vom Acker, Mann!

Aber zusammen mit dem Großteil aller Medien verschweigt ja Merkelwelle ein ganz entscheidendes Detail dieser griechischen Tragödie:

Im Zeitraum von 1990 bis 2008 kaufte Griechenland Kriegsmaterial im Werte von 75 Milliarden Dollar. Und die Rüstungskäufe Ankaras lagen doppelt so hoch!
Athen erhält den Großteil seiner Waffen aus Deutschland und Frankreich. Leopard Panzer von Krauss Maffei und Kriegsschiffe von Thyssen- Krupp.

Davon hat uns Mövenpickguido noch nie was erzählt.

Und wo soll jetzt gespart werden in Griechenland?

Ganz einfach: Steuern rauf, Löhne und Renten runter.

Ist das denn nicht seit Jahrzehnten das erklärte Ziel der neoliberalen Verbrecherbande?

Und wir sollen glauben, dass das nicht hausgemachte, bewusst inszenierte Krisen sind, die nur einen einzigen Sinn und Zweck verfolgen: Uns so zu lähmen dass wir nie mehr aufbegehren und ihnen aus der Hand fressen wie brave Haustiere, verunsichert und verängstigt und dankbar für jeden Brocken Brosamen, der vom Tisch der Gewinner nach ihrem üppigen Festmahl zu Boden fällt - oder uns verächtlich hingeschmissen wird.

Dieser Kapitalismus ist nicht mehr zu retten, er ist ein Zerstörungsprojekt, das auf der Erniedrigung der Frauen und Armen basiert und durch Kriege immer neue Märkte schaffen und bereits erschaffene Werte künstlich wieder zerstören muss.

Und diese Kriege? Nichts anderes als die Rache alter Männer an der Jugend. Denn die ganzen Geistesgestörten aus dem „Deutschland wird am Hindukusch verteidigt“ Club bleiben doch fett grinsend in ihren Chefsesseln und Kommandozentralen sitzen, während junge Männer und Frauen sich gegenseitig abschlachten. Und 70% der jungen Leute, die als Kanonenfutter eingesetzt werden, kommen aus der ehemaligen DDR!

Die Welt ist wahnsinnig geworden Willy, und dieser Wahnsinn wird uns auch noch als Demokratie verkauft.

Und drum werd ich jetzt Grieche.

Das ist ihr größter Trick: sie wollen Solidarität verhindern - und hoffen, uns zu spalten.

Und diese Solidarität ist auch ihre größte Angst. Denn für Mitgefühl ist kein Platz in den verhärteten Herzen der Superreichen.

Ja, drum werd ich jetzt Grieche.

Die wehren sich nämlich. Und sie wehren sich auch stellvertretend für uns.

Lasst uns solidarisch sein mit den wütenden und zornigen Griechen.
Und dann geht es auch bei uns los, dann wehren wir uns ... wie richtige Griechen!
Und jetzt tanzen wir den Sorbas-Sirtaki, Willy!




9. April: Jeder Augenblick ist ewig (Update 12.4. incl. Audio)

Liebe Freunde!

Genau jetzt, wenn hier in Ambra der Frühling überschäumend ausbricht, alles vom Blühen träumt, und die Augen sich nicht satt sehen können an diesen unzähligen verschiedenen Grüntönen, genau jetzt in etwa zwei Stunden werde ich zurück fliegen ins hoffentlich genauso blühende München.

Ich hab noch ein paar Drehtage mit meinem geschätzten Filmteam und werde mich wieder in einen bayrischen Dorfpolizisten verwandeln. Lange hab ich nicht mehr gedreht - aber ich muss sagen: es macht mir wieder richtig Spaß. Das ist bei diesem Team auch nicht schwer. Ich habe selten so viel gut gelaunte und herzliche Menschen erlebt, die einem die Arbeit leicht machen. Also ist der Abschied von der Toscana nicht ganz so hart.

Und dann gehts auch schon wieder mit den Konzerten los und ich darf in Viersen und Linz meine geliebten Hardrocker des Spring String Quartetts in die Arme schließen und meinen Seelenbruder Jo Barnikel.

Am 11. Mai wird zu meiner großen Freude im Vorprogramm der Carmina Burana meine Carmina Bavariae im Prinzregententheater in München aufgeführt. Was für eine Ehre! Franz Kanefzky hat auf Anregung des Dirigenten und Orff-Schülers Mark Mast einige meiner Lieder für Chor, Orchester und Solisten neu orchestriert und ich konnte auch noch Andreas Giebel dazu gewinnen, die Rolle des Haberers aus dem Haberfeldtreiben zu übernehmen!
www.muenchenticket.de/guide/tickets/cr46/Konstantin+Wecker+Carmina+Bavariae.html

Hier in Ambra, nach einigen Weinchen, hab ich ihn überreden können, da wir in München nie Zeit hatten uns zu treffen.

Da ich mich jetzt so lange nicht mehr gemeldet habe, sozusagen als Entschädigung, ein neues - auch in der Toscana entstandenes - Gedicht:

Audiofassung, aufgenommen zu Hause am 12.4.2010:
Jeder Augenblick ist ewig

Jeder Augenblick ist ewig
wenn du ihn zu nehmen weißt.
Ist ein Vers der unaufhörlich
Leben, Welt und Dasein preist.

Alles wendet sich und endet
und verliert sich in der Zeit.
Nur der Augenblick ist immer.
Gib dich hin und sei bereit!

Wenn du stirbst, stirbt nur dein Werden.
Gönn ihm keinen Blick zurück.
In der Zeit muss alles sterben
aber nichts im Augenblick.

Euer Konstantin



29. März: Noam Chomsky!

Liebe Freunde
Für mich war die Begegnung mit Noam Chomsky bei der Verleihung des Fromm-Preises 2010 in Stuttgart ein Höhepunkt meiner Laufbahn.
Chomskys Bücher, seine Geradlinigkeit, sein aufrechter Gang, all das hat mir Mut gemacht und mich bestärkt in meinen politischen Ansichten. Sein Werk hat mir Kraft gegeben durchzuhalten, als ich 2003 während und  nach meiner Irakreise von vielen Journalisten belächelt und teilweise regelrecht beschimpft wurde. 
 Als ich ihm sagte, ich wurde oft des Antiamerikanismus bezichtigt, weil ich gegen die grauenvollen Kriege der Vereinigten Staaten von Amerika polemisiere, antwortete er mir, es sei interessant, dass niemand der auf Berlusconi schimpft deshalb verdächtigt würde gegen das italienische Volk zu sein.
Einzig Amerika habe es geschafft jeden, der mit der amerikanischen Regierung nicht einverstanden sei, als Feind der Amerikaner zu verurteilen. 
Als ich dann auch noch Hans Peter Dürr (mittlerweile ohne Bart!) und seine hinreissende Frau Sue Dürr in die Arme nehmen durfte, war das Glück dieses Abends für mich perfekt. 
 
Ich habe auf HDS die Laudatio des Journalisten Dr. Peter Zudeick veröffentlicht, der sie mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Peter Zudeick ist ein großer Kenner des Werkes von Noam Chomsky und seine Laudatio ist hinreissend. Klug und lehrreich und darüber hinaus noch richtig witzig. Für viele, die mit Chomsky noch nicht so vertraut sind, hoffentlich ein Anstoß, sich mit dem Werk dieses faszinierenden Mannes zu beschäftigen.

Euer Konstantin

 


10. März: Ulf, der Rächer der Spekulanten!

Liebe Freunde!
Auf Ulf Poschardt ist Verlass! Gestern noch Sprachrohr der Techno-Revolution ("DJ-Culture") - heute beklagt er in der "Welt". dass der Spekulant ein Sündenbock sei und "als Feindbild begeistert". Dabei seien doch gerade die "Spekulanten der Turbo lahmer Volkswirtschaften". Poschardt vergass zu erwähnen, dass die lahmen Volkswirtschaften, als deren Turbo sich die Spekulanten betätigen, zwar in der Tat eine erhebliche Beschleunigung erleben, damit aber dummerweise nur umso schneller auf den Abgrund zu rasen.... Ulf Poschardt will trotzdem erreichen, dass die "kurzfristige Anlagestrategie nicht mehr als düstere, nihilistische Gestalt  erscheint." Ulf Poschardt - Rächer der Spekulanten. Es klingt nach Satire. Aber wer Ulf Poschardt kennt, weiß: der Ulf glaubt sich das!
Euer Konstantin


8. März: Zur Oscar-Verleihung

Liebe Freunde und ganz kurz diesmal:

Also, wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte Michael Haneke für seinen überragenden Film "Das Weiße Band" einen Oscar bekommen! Wer dieses Meisterwerk noch nicht gesehen hat - unbedingt anschauen.
Konstantin

PS: Allen, die es betrifft außerdem "Ois Guade" zum heutigen Weltfrauentag!



4. März: 6000 Jahre Kollektiv-Psychose der Menschheit

 

Liebe Freunde!

 

Jetzt nur mal kurz und zwischendrin ein Dankeschön!

Christian, Marlies, Edith, Bernd, Wolfgang, Gudrun, Elmar, Marlene, Silvia, Dagmar, Otmar, Pommi, Gaby und Bernhard (obwohl ich nicht ganz eurer Meinung bin), Elisabeth, Waltraud, Mo und all die anderen, die ich jetzt schon wieder nicht erwähnt habe - vielen, vielen Dank für eure rege Anteilnahme an meinen Notizen und Liedern, ja ich muss schon sagen an meinem Leben. Das trägt mich, macht mir Mut und beflügelt mich im wahren Sinn des Wortes. Es bedeutet mir sehr sehr viel, dass euch meine Lieder berühren und meine Konzerte euch ermutigen.

Und nochmal muss ich sagen: auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind - wir wollen doch gemeinsam eine zärtlichere, mitfühlendere und poetischere Welt, eine Welt, die sich nicht ausschließlich an Gewinnmaximierung orientiert und in der man weniger belogen wird. 

Steve Taylor schreibt in seinem bemerkenswerten Buch „Der Fall“:

„Seit 6000 Jahren leidet die Menschheit an einer Art Kollektiv-Psychose. Im Spiegel beinahe der gesamten historischen Überlieferung wird deutlich, dass die Menschen - wenigstens bis zu einem gewissen Grad - ver-rückt waren. Das erscheint unglaublich, betrachten wir doch die Konsequenzen unserer Verrücktheit längst als normal.... So können sich die absurdesten und abscheulichsten Verhaltensweisen durchsetzen, zu Traditionen werden und fortan als normal, als natürlich gelten.“

Es wird für Menschen ganz üblich einander umzubringen, Männer erscheint die Unterdrückung der Frauen als ganz „natürlich“, Eltern die Dominanz über ihre Kinder, und für kleine, gesellschaftliche Gruppen wird es normal, eine enorme Machtfülle auf sich zu konzentrieren und damit große Gruppen anderer Menschen zu kontrollieren und zu beherrschen. (Das eindeutige Ziel der neoliberalen Ideologie.)

Ebenso „normal“ scheint es, Natur und Umwelt bis hin zum ökologischen Kollaps auszubeuten.

So wird das Streben nach unermesslichen Reichtümern, die man niemals aufbrauchen kann, für Menschen gleichermaßen „natürlich“ wie die ewige Jagd nach Erfolg, Macht und Ruhm.

Und selbst wenn es ihnen gelingt, Geld anzuhäufen und einen hohen Sozialstatus zu erlangen, finden sie es ebenso „natürlich“ niemals Zufriedenheit und Erfüllung zu finden, sondern in ihrem Innern ständigt unbefriedigt zu bleiben.

Wir müssen wieder lernen, inneren Frieden zu erlangen sonst wird dieser „Verlust des Mitgefühls“ (Arno Gruen) immer dramatischere Fogen haben. Die unselige Diskussion um die „Zwangsarbeit“ von Hartz 4 Empfängern ist nur eines von vielen Beispielen dafür!

(Und Westerwelle nur der vorgeschickte nützliche Narr für handfeste und antisoziale wirtschaftliche Interessen.)

Vor vielen Jahren habe ich geschrieben:

 

Daß dieser Mai nie ende! 

Ach Sonne, wärm uns gründlich! 

Wir haben kaum noch Zeit, 

die Welt verbittert stündlich.

 

Daß dieser Mai nie ende 

und nie mehr dieses Blühn -

wir sollten uns mal wieder 

um uns bemühn.

 

Uns hat die liebe Erde 

doch so viel mitgegeben. 

Daß diese Welt nie ende, 

daß diese Welt nie ende 

nur dafür laßt uns leben!

 

Noch sind uns Vieh und Wälder 

erstaunlich gut gesinnt, 

obwohl in unsern Flüssen 

schon ihr Verderben rinnt.

 

Auch hört man vor den Toren 

die Krieger schrein. 

Fällt uns denn außer Töten 

schon nichts mehr ein?

 

Uns hat die liebe Erde 

doch so viel mitgegeben. 

Daß diese Welt nie ende,

daß diese Welt nie ende -

nur dafür laßt uns leben!

 

Wie schön, der Lust zu frönen! 

Es treibt der Wein. 

Der Atem einer Schönen 

lullt mich ein.

 

Daß dieser Mai nie ende 

und Frau und Mann, 

ein jedes, wie es will, 

gedeihen kann!

 

Uns hat die liebe Erde 

doch so viel mitgegeben. 

Daß diese Welt nie ende, 

daß diese Welt nie ende -

nur dafür laßt uns leben!

 

 

In diesem Sinne: Nur dafür lasst uns leben

Euer 

Konstantin



23.Februar: Der Fetzenrausch der Frau Käßmann (Update 2)

Die Frau Käßmann hat ein Glaubwürdigkeitsproblem, höre ich.

Gegen den Afghanistankrieg sein und besoffen Auto fahren, das passt nämlich nicht zusammen, heisst es.

Wir haben einen Finanzminister, der in den größten Parteienfinanzierungsskandal der Nachkriegsgeschichte verwickelt gewesen ist, ein weitverzweigtes Netz von Schwarzgeldkonten angelegt und 100.000 Mark in cash von einem Waffenhändler kassiert hat und davon hinterher nichts mehr wusste.

Ein Glaubwürdigkeitsproblem allerdings hat die EKD-Vorsitzende Margot Käßmann. Sie fährt nämlich betrunken Auto und ist gleichzeitig gegen einen völkerrechtswidrigen Krieg.

Wir haben einen Außenminister und Vizekanzler, dessen Partei sich von einem Hotelkettenbesitzer mit Millionenbeträgen schmieren lässt, um hinterher den Hotels die Steuern zu senken. Der Ministerpräsident des bevölkerungsstärksten Bundeslandes lässt sich derweil von Konzern-Lobbyisten stundenweise für vertrauliche Gespräche mieten wie ein politischer Callboy.

Wie aber soll man einer Frau, die mit 1,56 Promille über rote Ampeln fährt, glauben, dass sie aus guten Gründen gegen den Afghanistan-Krieg ist?

Wir haben eine Bundeswehr, in deren Kasernen im Vollrausch junge Rekruten misshandelt werden. Wir führen seit acht Jahren einen sinnlosen, völkerrechtswidrigen Krieg in einem weit entfernten Land. Wir haben einen Bundesverteidungsminister, der einen Luftangriff mit mehr als 100 toten Zivilisten für angemessen erklärt und eine Bundesregierung, die das Ausmaß des Massakers monatelang vertuscht hat.

Und da leisten wir uns eine EKD-Vorsitzende mit solch einem gigantischen Glaubwürdigkeitsproblem?

Es ist schon wirklich großartig, mit welchem Hurra jetzt die Wogen der moralischen Entrüstung über Margot Käßmann zusammenschlagen. Nur gut, dass wir keine anderen Sorgen haben als eine Landesbischöfin, die besoffen Auto fährt und ansonsten ganz einfach recht hat…

Margot Käßmann hat also offensichtlich einen Fetzenrausch gehabt.
Mir wird die Frau immer sympathischer, muss ich gestehen!

Euer Konstantin

PS: (24. Februar) Der EKD-Rat spricht Margot Käßmann das ungeteilte Vertrauen aus. http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/politik/938/504154/text/ Damit ist der moralinsaure Mäuseaufstand wohl schon wieder beendet. Immerhin ist Frau Käßmann ja auch nicht ADAC-Vorsitzende...

Update 2: Zefix! Jetzt ist Frau Käßmann zurückgetreten, obwohl sie das nicht tun hätte müssen und das Vertrauen des EKD ausgesprochen bekommen hatte. Ich muss sagen, ich bin geschockt über diesen Schritt und finde es jammerschade - aber es beeindruckt mich auch, mit welcher Kraft sie für ihren Fehler gerade steht. Wenn ich bedenke, welche Skandale andere Leute veranstalten, ohne dafür die entfernteste persönliche Verantwortung zu übernehmen, ringt mir die Entscheidung Margot Käßmanns größten Respekt ab. Rüttgers macht es zum Beispiel anders: der opfert einen Hiwi und bleibt selber an der Macht kleben... Trotzdem: das ist eine wirklich schlechte Nachricht! Denn Leute wie Margot Käßmann brauchen wir dringend!




16. Februar: Meine Eindrücke von Dresden (Update)

Liebe Freunde!
Ich hab in Dresden zwar im Gedenken an die weiße Rose gesungen, dass es ums Tun und nicht ums Siegen geht, und ich habe mich auch immer wieder ausgiebig mit der Kunst des Scheiterns auseinandergesetzt - aber manchmal ist es schon auch außerordentlich erfreulich erfolgreich zu sein. Und wir waren erfolgreich in Dresden, auf der ganzen Linie! Saukalt wars, aber wunderbar für uns und eine krachende Niederlage für die Nazis!
Was wir uns vorgenommen haben, haben wir erreicht. Der Zug der Nazis durch die Stadt ist gestoppt worden. Und das auf eine ungeheuer kraftvolle, souveräne Art und Weise. Es war eigentlich zu jedem Zeitpunkt klar, dass an ein Durchkommen der Nazis an diesem Tag nicht zu denken war. Vier Blockaden waren massenhaft und bunt besetzt und fest entschlossen, unter keinen Umständen zu weichen. Dabei war die Stimmung gut, friedlich und solidarisch. Am Ende dieses kalten, aber herzerwärmenden Wintertages konnte "die Polizei die Sicherheit der Rechtsextremen nicht mehr gewährleisten!" und sagte den Marsch ab. ("Offenbar können Nazis in Deutschland nur demonstrieren, wenn die Polizei ihre Sicherheit gewährleisten kann")
So gut und wichtig es übrigens gewesen ist, dass sich so viele Dresdner zu einer Menschenkette in der Altstadt eingefunden haben: den Marsch der Schande, der ja in der Neustadt stattfinden sollte, haben ganz bestimmt nicht die Frau Oberbürgermeisterin und ihr Ministerpräsident verhindert, wie das streckenweise kolportiert wurde, sondern das Bündnis "Dresden - Nazifrei" und die zahllosen AktivistInnen und DemonstrantInnen, die bereit waren, sich mit ihrer Blockade den Anweisungen der Staatsanwaltschaft zu widersetzen.
Der Wiener Standard schreibt:
"Sie glauben ja wohl nicht, dass ich mich da einreihen werde, nur damit es schöne Fotos in der Altstadt gibt", sagt Johannes Lichdi, Landtagsabgeordneter der Dresdner Grünen. Er meint damit die Menschenkette, die am Samstag rund um die Altstadt gebildet wurde. Im Gedenken an die Opfer des Luftangriffs und im Protest gegen Rechts riefen Parteien, Kirchen und andere Organisationen zu dieser Kundgebung auf, die ein voller Erfolg wurde. 10.000 Menschen - darunter auch die Grüne Parteivorsitzende Claudia Roth - beteiligten sich. Nur: Zu umringen hatten sie außer einigen barocken Gebäuden nichts....."
Und im Freitag ist völlig zu Recht zu lesen:
Eines gleich vorweg: Erstmals ist es in Dresden gelungen, einen Naziaufmarsch zu unterbinden. Dies ist aber weder der Menschenkette der Oberbürgermeisterin zu verdanken, noch dem neuen Sächsischen Versammlungsgesetz. Es ist das Verdienst der Akteure des überparteilichen Bündnisses "Dresden Nazifrei" und all jener, die trotz aller Behinderungen im Vorfeld und auch noch am heutigen Tage dem Aufruf gefolgt sind.

Nazis stoppt man eben nicht mit Alibi-Veranstaltungen. Und unbeugsamer Widerstand gegen die Feinde der Demokratie, auch und gerade angesichts eines mehr als fragwürdig agierenden Staatsapparates, ist und bleibt eine der vornehmlichsten Bürgerpflichten in einer Demokratie. Dieser 13. Februar hat uns allen gezeigt, was möglich ist, wenn wir entschlossen an unseren Idealen fest- und zusammenhalten. Das war nicht der regierungsfreundliche, weichgespülte Aufstand der Anständigen. Angeführt von Wirtschaftsbossen und Promis, die sich nie auf einer Demo das Designerbeinkleid beschmutzen lassen würden. Nein, das war ein Aufstand der Unanständigen und Ungehorsamen. Recht so!
Die Nazis haben wir mit dieser erfolgreichen Blockade wohl fürs erste vom Herrenmenschensockel heruntergeholt. Es wird auch Zeit, dass wir diese braunen Umtriebe endlich in den Griff kriegen, und um das Netzwerk faschistischer Gewalt lahm zu legen, braucht es noch mehr solcher Aktionen. 130 Leute sind seit der Wiedervereinigung von Neonazis ermordet worden. Ganze Landstriche gibt es, in denen faschistische Jugendkultur dominiert und der braune Terror allen anderen die Hälse schnürt. Ich denke, am Samstag haben wir diesen Würgegriff der Angst ein stückweit lösen können, gerade in der Hauptstadt Sachsens ist das besonders wichtig!
Ich danke allen für ihr Engagement und auch den vielen, die uns - weil sie selber nicht dabei sein konnten - über facebook und in Mails und Briefen Mut zugesprochen haben. Ich hoffe, Dresden das war erst der Anfang einer solidarischen Bewegung für eine gerechtere, menschlichere und zärtlichere Gesellschaft.

Euer Konstantin

PS:
Eine sehr gute Rolle haben in Dresden viele Basisaktivisten und Abgeordnete der Linkspartei gespielt, übrigens flügelübergreifend. Und Prinz Chaos hat diesbezüglich auf der Dresdner Kundgebung ein Lied gesungen, die Adaption einer alten Parteihymne, von der ich nicht gedacht hätte, dass sie noch zu retten sein könnte ... deren erste Strophe und Refrain ich uns allen ans Herz lege:

Du bist nicht alles im Leben
Sonne & Wind, die brauchten Dich nie!
Wir wollen Netzwerke weben
Wir sind kein Abstimmungsvieh!
Unsere Partei soll nicht hassen,
was weich, sensibel und warm
Tochter, nicht Mutter der Massen
Räuber nicht und kein Gendarm.

So ne Partei, so ne Partei
Die wär gar nicht schlecht
Nur, Genossen: es bleibt schon dabei
Keine Mehrheit, kein Vorstand,
wer hat da immer Recht?
Vetternwirtschaft und Pöstchenschieberei!
Keine taktische Lüge ist Mittel zum Zweck
Wer so arbeitet der, gehört ganz einfach weg!
Aber mit Rebellen gefüllt,
stylisch und ausgechillt!
So ne Partei! So ne Partei! So ne Partei!

PPS: ...weil Nachfragen kamen, auf welche Parteihymne sich Prinz Chaos II. bezieht - hier ein youtube-Link, der zeigt, in welche quasireligiösen Hochgefühle - und in welche pseudokulturellen Niederungen! - der Stalinismus der 50er Jahre abtauchen konnte...

www.youtube.com/watch




4. Februar: Solidarität mit Karl Valentins linker Hand!

 Liebe Freunde!
Karl Valentin gehört zu den unkontrollierbaren Einflüssen in meinem Leben. Der sitzt mir als ein Schalk im Nacken und manchmal überfällt mich regelrecht seine Stimme, die Erinnerung an eine Filmszene oder einer dieser absurd-philosophischen Lehrsätze. Das kommt dann von ganz tief drin, aus dem Urschlamm meiner Kindheit. Denke ich an diese Kindertage im Münchner Stadtteil Lehel, dann denke ich an Karl Valentin. Denn neben der Callas und Caruso legte mein Vater, der ein glühender Verehrer von Karl Valentin war, auch Schellackplatten dieses grandiosen Künstlers auf. Dessen absurde Scherze, die mein Vater wunderbar rezitieren konnte, begleiteten mich so durch meine gesamte Kindheit.
Im Moment also habe ich wieder so einen Anfall, wo sich Karl Valentin in meinem Bewusstsein regt. Erstens, weil es mich maßlos aufregt, dass irgendwelche Vandalen sich des Nachts am Karl-Valentin-Brunnen auf dem Münchner Viktualienmarkt zu schaffen gemacht und der Valentin-Figur die linke Hand abgeschlagen haben! Man hat bisher nicht rausfinden können, welche Volldeppen das gewesen sind - aber wenn die sich eventuell "nur einen Spaß" machen wollten, kann ich denen sagen: von Späßen hat das bronzene Opfer sicher mehr verstanden als Euereins!
Weil uns dieser ganze Vorgang aufregt, haben wir seitens meines Labels "Laut & Luise" beschlossen, eine kleine Aktion zu machen und dem Karl-Valentin-Musäum 100 CDs von meinem Soundtrack zu Jo Baiers Film "Liesl Karlstadt und Karl Valentin" zu schenken. Der Erlös möge der Genesung der linken Hand Karl Valentins zukommen.
Zweitens wird dieser wunderbare Film "Liesl Karlstadt und Karl Valentin" über diese zwei wunderbaren Menschen am 13. Februar gleich zweimal ausgestrahlt. Und zwar 13:25 - 15:00 im ORF2 und im BR zur besten Sendezeit ab 20:15.

Grüsse aus der Toskana, wo ich mit Jo bei schlechtem Wetter und gutem Essen einen kleinen Klavier-Retreat absolviere...

Euer Konstantin

27. Januar: Roland Koch - Rammbock der Berlusconisierung

 Die TAZ hat’s mal wieder auf den Punkt gebracht:

„Millionen Arbeitslose haben sich mit ihren großzügigen Schecks vom Staat gemütlich eingerichtet Wer arbeiten geht, kriegt auch nicht mehr und ist der Dumme. So stellen viele Medien von <Bild> bis <FAZ> die Lage dar."

Vorgeschickt wird wieder mal der Beisser, der "Meister der kalkulierten Erregung", der Berlusconi Hessens: Roland Koch. Wie in so vielen anderen Fällen versorgen der Ministerpräsident und seine neoliberalen Think Tanks die üblichen verdächtigen Medien mit sogenanntem Sprengstoff, mit Geschichten, die es vielleicht sogar wirklich gibt, die aber dargestellt werden als seien sie keine Einzelfälle, sondern die Regel.

Was mich so wütend macht, ist diese hetzerische Infamie, die in dem offensichtlichen Vorsatz liegt, unseren Verstand auszuklammern und an die niedrigsten Triebe zu appellieren: Neid, Verachtung des Mitmenschen, offensiver Egoismus! Wer Arbeit hat, soll sich damit begnügen (anstatt vielleicht noch unverschämt zu werden und mehr Lohn zu fordern!) und sich ja nicht mit denen solidarisieren, die ärmer dran sind.
Im Gegenteil, man soll sie fürchten lernen, damit nur der schöne Wettbewerbsgedanke nicht verloren geht. Hier wird die Umverteilung angestrebt, die seit der letzten Bundestagswahl beschlossene Sache ist, jetzt werden die Wahllügen Makulatur, jetzt soll Tacheles geredet werden. Kochs Ausfall ist nichts weiter als ein erster Testballon. Da werden Kürzungen vorbereitet, die bei den diskreditierten Gruppen natürlich leichter fallen. Das gute alte Spiel: erst mal wird der Böse aufgebaut, dann darf man ihn vernichten.

Ulrich Schulte fordert Herrn Koch zu Recht auf, einen Hartz IV Empfänger einmal persönlich zum Jobcenter zu begleiten. Er würde schnell merken, welche Zumutung es bedeutet, auf diese Grundsicherung angewiesen zu sein: „Das korrekte Ausfüllen eines Antrags erfordert wochenlange Recherche, genaue Kenntnisse der Gesetze und das Verständnis von juristischen Wortungetümen. An diesem Prozedere scheitern schon Akademiker!“

Man muss sich schämen für so eine hemmungslose Intrige eines Ministerpräsidenten, der sich für keine Gemeinheit zu schade ist. Ein Soziopath ohne jeden Funken Mitgefühl. Um es mit Brecht zu sagen: "Ich habe gar nichts gegen Asoziale. Was ich nicht ausstehen kann, ist das Anti-Soziale." 

Derselbe anti-soziale Roland Koch steht mit beiden Beinen im CDU-Schwarzgeldsumpf, war intensiv an der Intrige gegen den ZDF-Intendanten Bender beteiligt und ist überhaupt genau der Richtige, um die Berlusconisierung Deutschlands voranzutreiben. Weder die schamlos käufliche Mövenpick-Partei noch unsere Kindliche Kanzlerin werden ihn einbremsen. Im Gegenteil. Man nutzt Roland Koch als Rammbock – und spätestens nach der Landtagswahl in NRW geht’s dann richtig los... Wie lange lassen wir uns so etwas noch gefallen? Warum schreien wir nicht gemeinsam auf und zeigen dieser neoliberalen Bande endlich mal die rote Karte? Ich kann nur sagen: es ist höchste Zeit.

Euer Konstantin

18. Januar: Das Beben unserer Zeit! (mit Audiodatei)

(Audio-Version zum Anhören/Download)

Heute erst überwinde ich meine Sprachlosigkeit angesichts der Katastrophe von Port-au-Prince. Anfangs wie betäubt, kann ich nur langsam Worte finden für das Unbeschreibbare. Ich muss auch gestehen, dass ich tagelang mit meinem Gott gehadert habe. Warum, so kann ich nicht umhin zu fragen, warum trifft es einmal wieder die Ärmsten der Armen? Warum treffen diese Naturkatastrophen immer die, die sowieso schon gestraft sind? Opfer einer ungerechten Welt, Opfer von Jahrhunderten kolonialer Unterdrückung, Opfer von gnadenloser Ausbeutung durch den Westen?

Mir fiel dann ein, dass mein geliebter Meister Goethe sich anlässlich des Erdbebens von Lissabon im Jahre 1755 ganz ähnliche Gedanken gemacht hat. In "Dichtung und Wahrheit" schreibt er:

"Am ersten November 1755 ereignete sich das Erdbeben von Lissabon, und verbreitete über die in Frieden und Ruhe schon eingewohnte Welt einen ungeheuren Schrecken. (...) Die Erde bebt und schwankt, das Meer braust auf, die Schiffe schlagen zusammen, die Häuser stürzen ein, Kirchen und Türme darüber her, der königliche Palast zum Teil wird vom Meere verschlungen, die geborstene Erde scheint Flammen zu speien: (...) Der Knabe, der alles dieses wiederholt vernehmen musste, war nicht wenig betroffen. Gott, der Schöpfer und Erhalter des Himmels und der Erden, den ihm die Erklärung des ersten Glaubens-Artikels so weise und gnädig vorstellte, hatte sich, indem er die Gerechten mit den Ungerechten gleichem Verderben preisgab, keineswegs väterlich bewiesen."

Während ich mich also unter Schock und Trauer durch meine eigene, kleine Theodizee-Debatte arbeitete, hatten andere, von solcherlei weinerlichen Philosophismen weniger gehemmte Zeitgenossen, längst die großen Linien einer internationalen Intervention vorgezeichnet. Der US-amerikanische Think-Tank "The Heritage Foundation" veröffentlichte bereits drei Stunden nach dem Erdbeben eine Empfehlung an die US-Regierung, wie die Katastrophen unter geostrategischen Gesichtspunkten genutzt werden kann, wie man den Einfluss der USA ausbauen, wirtschaftliche und politische "Reformen" durchsetzen und das amerikanische Image verbessern könnte. Selbstlose Hilfe klingt anders...

Die globalisierungskritische Autorin Naomi Klein löste daraufhin sofort Alarm aus und veröffentlichte das Memo der "Heritage Foundation" im Internet. Denn genau diese Methode, Katastrophen für den neoliberalen Umbau von Gesellschaften zu nutzen, hat sie in ihrem Buch "Die Schock-Doktrin" als Wesensmerkmal des "Desaster-Kapitalismus" nachgewiesen.

Und so ist das Beben von Haiti das Beben unserer Zeit. Alles Großartige und Edle scheint auf im selbstlosen Einsatz derer, die wirklich helfen, die im Schutt nach Überlebenden suchen, die inmitten dieses Desasters kühlen Kopf bewahren und handeln, helfen, retten. Die Welle der Solidarität die durch die Welt geht, die wirkliche Hilfsbereitschaft, ja, auch die Welle der Spenden, alles das macht Mut und gibt Hoffnung im Angesichte der Hoffnungslosigkeit.

Und dann die Gegenseite. Kühle Berechnung, der millionenfache Überlebenskampf einer mittellos der Katastrophe ausgelieferten Bevölkerung als Austragungsort von Machtpoker und Großmachtgerangel. Und vielleicht noch schlimmer als das: schiere saturierte Gefühllosigkeit, unbeeindruckt von 100.000 ausgelöschten Leben: Heute erreichte mich ein Artikel aus dem Guardian über meinen Facebook-Account: ein Luxusliner hat vor Haiti geankert, um die betuchten Passagiere auch in diesem Jahr an einem faktisch von den Haitianern enteigneten Privatstrand urlauben zu lassen, 60 Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernt.



Euer

Konstantin



PS:

Wer spenden will und dabei sicher gehen, dass das Geld nicht irgendwelche Machenschaften mitfinanziert, sondern wirklich im Sinne der Haitianer eingesetzt wird um zu helfen, ist mit dieser Organisation gut beraten:

www.haitiaction.net/About/HERF/HERF.html



PPS:

Einen sehr erhellenden Artikel über die politischen, sozialen und gesellschaftlichen Faktoren rund um die Situation in Haiti haben wir auf Hinter-den-Schlagzeilen veröffentlicht:

hinter-den-schlagzeilen.de/2010/01/18/haiti-naturliche-und-unnaturliche-katastrophen/


17. Januar Danksagung für den bayr. Filmpreis

Liebe Freunde
Vielen dank für die unzähligen Glückwünsche zu meinem Filmpreis. Ich hab mich wirklich sehr über diese Entscheidung der Jury gefreut, vor allem weil ich mich schon damit abgefunden hatte, dass es kaum jemand merkt, dass ich auch Film- und Theatermusik komponiere.
Leider ist mir am Abend der Verleihung ein dummer Fehler passiert, den wieder gut zu machen ich hiermit versuche.
Ich habe mich bei allen Mitarbeitern bedankt , aber ausgerechnet den Regisseur dieses wunderbaren Films bei der Danksagung vergessen.
In der Branche wird so etwas immer als bewußtes Zeichen gedeutet, so als hätten wir Streit miteinander.
Ganz im Gegenteil: Es war sehr schön mit Lars Büchel zu arbeiten! Er ist ein Regisseur der genau weiß, was er will und ich glaube wir haben während dieser Zusammenarbeit viel voneinander gelernt.
Also Lars - tut mir leid - alternde Barden sind halt ab und zu ein bisserl vergesslich.
Nicht genug danken kann ich auf diesem Weg auch meinem musikalischen Mitarbeiter und Arrangeur des Werkes Flo Moser. Ohne seinen unermüdlichen Einsatz und seine musikalische Kompetenz wäre das Werk nicht zustande gekommen.
Und: Viel zu lange nicht mehr gespielt - ich freu mich schon auf Bad Griesbach!



8. Januar: Margot Käßmann und die Kriegstreiber (Update)

Liebe Freunde!                                     (Audio-Version zum Anhören/Download)
Da macht eine Bischöfin mal das einzig richtige und spricht sich gegen den Afghanistankrieg aus - was man eigentlich eher von christlichen Würdenträgern erwarten sollte als albernes Waffensegnen - und schon schreit die vereinigte Kriegstreiberclaque: Skandal! Skandal um Margot!
Margot Käßmann hatte in ihrer Neujahrspredigt in der Dresdner Frauenkirche die Sinnhaftigkeit des Waffeneinsatzes in Afghanistan in Frage gestellt und den Abzug der Bundeswehr gefordert. »Es kann nur darum gehen zu fragen, wie wir einen geordneten Rückzug antreten und wie eine zivile Lösungsstrategie gefunden werden kann«, hatte sie unter anderem gesagt. Führende Politiker von Union und SPD werfen ihr seitdem »Amtsmißbrauch« und »Populismus« vor.
Haben die eigentlich alle den letzten Rest An- und Verstand verloren?
Es ist also scheinbar kein Amtsmissbrauch, von der Kanzel die Menschen aufzufordern, die Parteien mit dem C davor zu wählen, aber es ist ein Amtsmißbrauch wenn eine Christin den Krieg kritisiert.
Ich würde diesen führenden Politikern empfehlen im Zuge dessen gleich mal das neue Testament umzuschreiben. Dann müsste man es nicht immer wieder so haarsträubend dämlich neu interpretieren.
Dass die SPD da mitmischt beim Käßmann-Mobben ist für mich eigentlich verständlich. Die haben so eine schlechtes Gewissen, sich auf dieses kriegerische Abenteuer überhaupt eingelassen zu haben, dass sie jetzt voran marschieren müssen bei der Kriegstreiberei, sonst müssten sie ja an sich und ihrer Lauterkeit zweifeln und verzweifeln.
Die wehrpolitische Sprecherin der FDP (klingt irgendwie lustig, fast absurd), also die WEHRPOLITISCHE SPRECHERIN DER FDP, eine gewisse Frau Hoff, meint, Frau Käßmann könne sich selbstverständlich äußern, aber dann will sie die Bischöfin gleich an die Front schicken. (Erinnert ein bisschen an das gute alte „Geh doch nach drüben“.)
Mit ihrer Dresdner Äußerung in „guter, alter Friedenstradition“ sei sie „etwas zu kurz gesprungen“. Kann man dieser Frau Hoff nicht einen richtigen, äußerungsresistenten Beruf anbieten?
„Nach dem Krieg sollte man alle Kriegstreiber von Invaliden öffentlich auspeitschen lassen.“ schreibt Karl Kraus. Es geht auch gewaltfrei:
Als Strafe würde mir genügen, den gebündelten Schwachsinn der wehrpolitischen SprecherInnen der Kriegsparteien öffentlich von ihren Verfassern vortragen zu lassen.
Nun muss Frau Käßmann zum Rapport zu Minister Guttenberg.
Zum Freiherrn also! Es gibt derzeit auch kluge Menschen, denen der Gutti plötzlich leid tut. Wo er doch so gute Manieren hat und jetzt wird überall auf ihn eingehackt. Wo er doch bei dem mörderischen Angriff in Kundus gar nicht dabei war. Wo er doch so eloquent ist und überhaupt die letzte Rettung der CDU/CSU, ja der deutschen Politik überhaupt. Und jetzt singt der Wecker auch noch böse Guttilieder!!
Freunde - ich hab nichts gegen den von und zu persönlich. Aber ich mag halt das Amt nicht, das er ausübt.
Und Sprüche wie: »Entscheidend ist, dass unsere Soldaten den breiten Rückhalt in der Bevölkerung spüren. Grundsätzlich bin ich sehr dankbar dafür, dass beide Kirchen auch in Afghanistan selbst mit der Militärseelsorge zur Unterstützung unserer Soldaten beitragen. Ich bin mir sicher, dass Frau Käßmann das sicherlich nicht herabgewürdigt sehen will.« - da spricht nun mal der geborene Kriegsminister und Militarist.
Und bei aller Begeisterung für weltumfassende Liebe - so viel meditier ich nun auch wieder nicht, dass meine überbordende Liebe auch noch den Kriegsminister miteinschlösse....

Euer Konstantin


P.S.: Folgende Meldung zum Thema:
    "US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Barack Obama hat für den Krieg in Afghanistan und im Irak 128,3 Milliarden US-Dollar bewilligt."
"2,7 Milliarden Dollar bewilligten die Senatoren für Bildung- und humanitäre Projekte des Pentagon, darunter für die Finanzierung des Museums des Zweiten Weltkrieges.“

UPDATE 12. Januar:
Heute auf ARD Tageschau.de:
Die Bischöfin gibt sich inzwischen diplomatischer. In Berlin zeigte sie sich deutlich gemäßigt. Die Evangelische Kirche und auch sie ganz persönlich schätzten die Arbeit der Soldaten. Sie habe nur zum Nachdenken über Krieg und Gewalt anregen wollen. Guttenbergs Einladung nach Afghanistan hat Käßmann angenommen. "Ich möchte dort vor den Soldaten predigen", sagte sie. Die Zeichen stehen also auf Entspannung.
Für Guttenberg ist das eine gute Nachricht. Denn er braucht für das unpopuläre Afghanistan-Engagement Deutschlands jede Unterstützung, die er kriegen kann. Einen offenen Konflikt könne er sich deshalb mit keiner der großen Kirchen leisten, raunt ein General in Neuburg. Denn sollten die Geistlichen den Afghanistan-Einsatz moralisch verteufeln, würde die ohnehin ziemlich geringe gesellschaftliche Akzeptanz für die Mission am Hindukusch noch weiter schwinden. Ein Offizier aus Guttenbergs Stab formuliert es so: "Dann hätten wir ein wirklich großes Problem."
           - Was gibts da noch zu sagen? Liebe große Kirchen, seid so gut und stellt euch jetzt mal auf die Hinterbeine! Verteufelt Krieg endlich moralisch, damit die gesellschaftliche Akzeptanz für die „Mission“ am Hindukusch endlich ganz verschwindet. Macht den Offizieren aus Guttenbergs Stab bitte ein wirklich großes Problem!!
Und sehr verehrte Frau Kässmann - machen Sie doch bitte keinen Rückzieher. Wir haben grade begonnen Sie richtig zu mögen.
Übrigens sollte man sich die Sprache der Militärs ganz genau ansehen und sich ernste Gedanken machen über das Wort Mission.
Laut Nachschlagewerk ist eine Mission die Verbreitung einer religiösen Lehre unter Andersgläubigen, speziell die Verbreitung der christlichen Lehre. Sollte das der eigentliche Auftrag am Hindukusch sein, dürfte sich meine Bitte an die großen Kirchen erledigt haben....

PPS.:
Trotzdem wollen wir voll Zuversicht und Mut ins neue Jahr gehen. Und wie könnte man das besser, als mit einem Gedicht vom Meister aller Meister:


Zum neuen Jahr (Johann Wolfgang Goethe)

Zwischen dem Alten,
Zwischen dem Neuen
Hier und zu freuen,
Schenkt uns das Glück,
Und das Vergangne
Heißt Vertrauen
Vorwärts schauen,
Schauen zurück.

Stunden der Plage,
Leider, sie scheiden
Treue von Leiden,
Liebe von Lust;
Bessere Tage
Sammeln uns wieder,
Heitere Lieder
Stärken die Brust.

Leiden und Freuden,
Jener verschwundnen,
Sind die Verbundnen
Fröhlich gedenk.

O des Geschickes
Seltsame Windung!
Alte Verbindung,
Neues Geschenk!

Dankt es dem regen
Wogenden Glücke!
Dankt dem Geschicke
Männiglich Gut;
Freut euch des Wechsels
Heiterer Triebe,
Offener Liebe,
Heimlicher Glut!

Andere schauen
Deckende Falten
Über dem Alten
Traurig und scheu;
Aber uns leuchtet
Freundliche Treue;
Sehet, das Neue
Findet uns neu.

So wie im Tanze
Bald sich verschwindet,
Wieder sich findet
Liebendes Paar:

So durch des Lebens
Wirrende Beugung
führe die Neigung
Uns in das Jahr.


14. Dezember: Video-Notizen Weihnachten 2009
11. Dezember: Friedensnobelpreis & Kriegspropaganda (Update)
2. Dezember: Über den Begriff der Naivität (für Arno Gruen)
30. November: Aktuelle Notiz mit dem versprochenen Guttenberg-Text ("Gutti-Land")
23. November: Gute Besserung, Oskar Lafontaine!
16. November: Aus meinem Hotelzimmer in Berlin
13. November: Ein Herbstgedicht (Text & Audiodatei)
10. November: Kulturelle Globalisierung (mit Video-Link)
Freitag, der 6. November 2009
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